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RAUMWISSEN: Nachhaltigkeit

Unter der Überschrift „Nachhaltigkeit“ fand der 2. Themenblock der Seminarreihe RAUMWISSEN bei KAHL statt. In ihren Impulsvorträgen riefen die beiden Referenten dazu auf, das vorhandene Know-how in der Architektur zu nutzen und weiterzuentwickeln.

In den vergangenen Jahren hat Werner Sobek immer wieder wesentliche Impulse zur Entwicklung des Nachhaltigkeitsbegriffs in der gebauten Umwelt gegeben. Dr. Heide Schuster, die den Bereich WSGreenTechnologies der Werner Sobek Unternehmensgruppe in Stuttgart leitet, führte aus, wie eine integrierte Planung und die intelligente Nutzung neuester Planungswerkzeuge zu herausragenden Projekten führen können. Diese Projekte zeichnen sich durch ihre Nachhaltigkeit und ihre hohe Ästhetik aus. WSGreenTechnologies löst sich hierbei radikal von herkömmlichen Konzepten, wie Heide Schuster am 6. Mai bei KAHL erläuterte. Derzeit ist ein hoher Ressourcenverbrauch in Bau und Betrieb vorhanden, der auch die Umwelt unnötig belastet.

Trotz der anerkannt hohen Qualität im Baubereich in Deutschland wurde 2007 eine zentrale Stelle für die Bewertung von nachhaltigem Bauen gegründet: Die "Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen“ (DGNB)! In 5 Themenfelder können für die Bewertung des Gebäudes Prozentpunkte erworben werden, die für Bauherr und Planer für mehr Transparenz sorgen. Großen Wert wird laut Frau Schuster hierbei auf die integrale Planung gelegt, da bei der Planung alle Fachplaner rechtzeitig mit eingebunden werden und somit Kosten gespart und Gebäude optimiert werden können. Das deutsche System wird auch auf andere Länder wie z.B. China, die Schweiz und Russland übertragen, da es problemlos an andere klimatische, wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen anpassbar ist.

Für die Zertifikat-Stufen Gold, Silber und Bronze müssen die Themen ökologische und ökonomische Qualität, soziokulturelle und funktionale Qualität, technische Qualität und Prozessqualität erfolgreich erarbeitet und dokumentiert werden. Ein Aufwand, der laut Studie von Jones Lang Lassalle von 2008 für Manager der Immobilienwirtschaft zunehmend geschäftsrelevant ist.

Wie eine Verschmelzung von hoher Architekturkunst mit technischem Know-how aussehen kann, zeigte Frau Schuster am Beispiel von R128, ein Triple Zero-Gebäude von Werner Sobek aus dem Jahr 2000. Das zu 100 % rezyklierbare Gebäude ist vollkommen transparent, verbraucht im Jahresmittel nicht mehr Strom, als es verbraucht, und erzeugt keinerlei Emissionen. Die Dachkonstruktion des Gebäudes La Cite de St. Etienne (2009) in Frankreich besitzt integrierte Solarpaneele, die gleichzeitig als Verschattung dienen. Im Sachsenhausen Stadion Z dient die vakuumstabilisierte Gebäudehülle aus Stoff als Schutz vor Regen und Sonne und ist schnell auf- und abbaubar. Mittels thermischer Simulation konnte in Dubai nachgewiesen werden, dass beim Bau eines Stadtviertels durch Verschattung der Gebäudehüllen durch angrenzende Gebäude der Kühlenergiebedarf reduziert werden kann. Fazit ihres Vortrags ist für Frau Schuster: Auf regionales und technisches Know-how aufbauend nach ressourcenschonenden Lösungen suchen!

Am 10. Juni vertiefte Prof. Markus Schlegel vom Institut HAWK in Hildesheim in seinem Impulsvortrag diesen nachhaltigen Ansatz. Für die Gestaltung von Lebensräumen und Schaffung von Atmosphäre ist eine Mischung des tradionellen und aktuellen Know-hows notwendig, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Dabei, so führte er aus, dienen bei Gestaltung durch Farbe und Materialien die eigenen Wertvorstellungen, geospezifische Erfahrungen sowie soziokulturelle Prägungen eine Rolle. Gleichzeitige soll seiner Meinung nach das Bedürfnis nach wandlungsfähigen und flexiblen Räumen befriedigt werden. Der aktuelle Basistrend Dualität zeigt dies mit den parallel agierenden Trends wie z.B. Cocooning mit Mobilität sowie Virtualität und High Touch.

In seiner Studie zur Farb- und Oberflächenforschung hat Prof. Schlegel ein Funktionsschema für die menschliche Wahrnehmung entwickelt. Es sollte nicht der Geschmack des Einzelnen untersucht, sondern mit einer sprachlosen Bewertung die physikalische, physiologische und emotionale Wirkung von Farbe und Material erforscht werden. Gerade die Farbe in ihrem Spannungsfeld zwischen Ästhetik, Status, Funktion sowie Humanfunktion wie z.B. Ergonomie kann symbolisch, indikativ oder ästhetisch wirken.

Parallel wurde für diese Zukunftsforschungsstudie über Rückblicke, signifikante Häufigkeiten und Epochen ein Farb-Materialmix von 1955 – 2005 erstellt. Darauf aufbauend können laut Prof. Schlegel Aussagen zur Zukunft und Trends gemacht werden. So wurde als Trend 2006 die Farb- und Materialzusammenstellung Noblesse Oblige und Liquid White festgelegt. Interessant ist, so Prof. Schlegel, dass weltweit bestimme symbolische Werte durch Farben weiter getragen werden.

Im Auftrag für Health Care Network Group (HCNG) hat Prof. Schlegel 4 sich deutlich unterscheidende und in sich schlüssige Farbprofile entwickelt, die als Farb- und Materialkomposition für den Gesundheitsbereich angelegt und als Collagenvorbilder zusammengestellt sind. Diese sogenannten Raumboxen sollen Planer und Bauherren bei der Auswahl von Farbe und Material unterstützen.

Das Projektbeispiel AWO in Ulm zeigt die durchdachte Farbgestaltung einer Flur- und Aufenthaltszone in einem Altersheim. Anhand der 3 HCNG - Raumboxen Komfort & Balance, Purismus & Funktion sowie Harmonie & Regeneration wurden Zonen, fließende Übergänge und Akzente festgelegt und umgesetzt. Am Beispiel eines Dialysezentrums in Bonn konnte aufgezeigt werden, dass Wohlfühlatmosphäre durch gut geplante Farb- und Lichtgestaltung entsteht. Akzente können mit trendigen Farben und austauschbare Accessoires nachträglich gesetzt werden.

Die zahlreichen Teilnehmer diskutierten lebhaft mit beiden Referenten über den Begriff Nachhaltigkeit, die Vorteile von Bewertungssystemen und den schonenden Einsatz von Ressourcen. Ein ausgezeichnetes Buffet und das hochwertige Ambiente des Veranstaltungsortes unterstützten den regen Austausch über Erfahrungen mit eigenen Projekten.

Die kostenlose Seminarreihe RAUMWISSEN bei KAHL wird von den Architektenkammern als Weiterbildung anerkannt. Die Architektenkammer Hessen vergibt pro Impulsvortrag 2 Weiterbildungspunkte.

Nach der Sommerpause startet der 3. Themenblock BRANDSCHUTZ. Am 16. September zeigt Marco Weckwerth, öffentlich bestellter Sachverständiger für Brandschutz, in seinem Impulsvortrag, auf welche Aspekte zu achten ist und wie der Brandschutz in Planungen integriert werden kann. Gerne können Sie sich für diesen Vortrag bei Peter Lodahl unter 0621-32499 21 oder peter.lodahl@kahlgmbh.de anmelden. Bitte beachten Sie, dass wir bei 60 Teilnehmern eine Anmeldebeschränkung einführen.

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